Printen mit Hindernissen und Happy End

10Jan/15
aachener printen mit schokolade

Eigentlich wollte ich euch dieses Rezept erst gar nicht zeigen. Als meine Printen aus dem Ofen kamen und abgekühlt waren, waren sie nämlich steinhart… Leider fehlte im Rezept die Information, dass Printen erst mal vier bis sechs Wochen reifen müssen und dabei zum einen die Gewürze durchziehen und sie noch besser schmecken und zum anderen die Konsistenz auch erst dann weicher und angenehm wird. Völlig unverhofft waren sie also nach gut vier Wochen richtig lecker und haben mir so viele Kompliment eingebracht, dass mich das mit dem Rezept mehr als versöhnt hat :) Deshalb möchte ich es euch nun doch zeigen. Weihnachten ist zwar schon längst rum, aber ich gebe zu – manchmal habe ich selbst im Hochsommer Lust auf Printen oder Lebkuchen…

Orientiert habe ich mich an diesem Chefkoch-Rezept, das dem originalen Aachener Printen-Rezept wohl sehr nahe kommt. Diese klassischen Printen sind naturgemäß vegan, der Teig besteht eigentlich nur aus Mehl, Sirup, Zucker und Gewürzen und damit er etwas lockerer wird kommt Pottasche und etwas Natron mit hinein.

Nach kurzem Überfliegen der Zutatenliste vermerkte ich auf meinem mentalen Einkaufszettel nur Pottasche und Kandiszucker, denn Mehl und Zuckerrübensirup war noch im Haus und Gewürze habe ich ja eh eine breite Auswahl. Die Mengen waren auch kein Problem, denn ich wollte nur ein Viertel des Rezepts machen – es sollte ja auch noch andere Plätzchensorten geben. Die Überraschung kam, als ich Freitagabend den Teig vorbereiten wollte um am Wochenende zu backen, denn er muss mindestens eine Nacht ruhen. Mein innerer Monolog ging ungefähr so:

Prise Piment “Ok, eine Prise. Endlich kommt mal wieder mein Piment zum Einsatz.”
1 gestr. TL Anis “Anis?! Da gehört wirklich Anis rein? So ein Mist, wieso ist mir das denn nicht vorher aufgefallen? Das einzige was ich mit Anis da habe ist Ouzo. Printen mit einem Schuss Ouzo? Ne, lieber nicht – dann runde ich die anderen Gewürze eben etwas auf und schmecke den Teig damit ab. Zur Not kommt am Schluss noch mehr Schoki drüber…”
1/2 TL Koriander “Hm, der Koriander sollte vermutlich gemahlen sein – egal, einfach nur getrockneter wird es schon auch tun. “
1/2 TL Zimt “Nur ein halber Teelöffel? Da mach ich mal einen ganzen daraus, ich muss ja auch das fehlende Anis komponsieren. Außerdem, hey, Zimt!”
Prise Nelken-Pfeffer “Hä? Nelken-Pfeffer ist doch Piment und der ist schon drin? Die meinen hier wohl gemahlene Nelke? Ganze Nelken hätte ich da, aber ich werde jetzt nicht mit meinem Minimörser mühsam eine davon pulverisieren – nicht für eine Prise. Außerdem ist Nelke ja eh nicht so meins, da nehm ich lieber noch eine Prise Piment dazu…”
Prise Kardamom “Toll. Nein, ich werde jetzt auch keinen Kardamom klein mörsern. Zefix…”
Prise Muskat “Endlich mal wieder was unproblematisches, geht doch.”

Tja, meine Gewürzauswahl ist für weihnachtliches Gebäck wohl doch nicht so optimal bestückt. Nach dieser Würzrunde war ich dann schon etwas missgestimmt über meine Blindheit, ist ja nicht so, als hätte ich das Rezept nicht vorher gelesen. Der Teig pur war dann aber doch recht lecker und ich habe festgestellt: Printen schmecken auch mit weniger Gewürzen gut, auch wenn es dann vielleicht nicht nach ganz original Aachener Printen schmeckt. Mit ein bisschen Geduld nach dem Backen stimmt dann auch die Konsistenz und eine großzügige Ladung Schokolade tut ihr übriges. Es ist schon erstaunlich wenn ein Backwerk, das anfänglich leicht misslungen scheint, plötzlich so lecker wird und auch noch fleißig Komplimente einbringt ;)

 

Printen mit Schokolade

Weiche Printen nach Aachener Art. Achtung: Müssen nach dem Backen einige Wochen ruhen.

Printen mit Schokolade

Zutaten

für 1 Blech

  • 150 g Mehl
  • Prise Natron
  • 1 gestr. TL Zimt
  • 1 knapper gestr. TL Anis (oder von allen anderen Gewürzen etwas mehr)
  • 1/2 TL Koriander
  • Prise Piment
  • Prise Muskat
  • optional: Prise Kardamom
  • 20 g Zucker
  • 125 g Zuckerrübensirup (oder anderer Sirup)
  • 1,5 g Pottasche (ca. 1/4 TL)
  • 40 g feiner Kandiszucker
  • 12 g Orangeat
  • zum späteren Überziehen:
  • ca. 50 g Zartbitterschokolade
  • evtl. etwas Kandis zum Bestreuen

Zubereitung

  1. Mehl vermischen mit Natron, Zimt, Anis, Koriander, Piment, Muskat, evtl. Kardamom und Zucker.
  2. Sirup mit 1 EL Wasser im Topf erwärmen, bis er schön flüssig ist. Pottasche in einem knappen TL Wasser auflösen.
  3. Warmen Sirup und gelöste Pottasche zur Mehlmischung geben und mit den Händen sehr gründlich verkneten. Kandiszucker und Orangeat dazugeben und ebenfalls unterkneten.
  4. Den Teig zu einer Kugel formen, in Frischhaltefolie wickeln und an einem eher kühlen Ort mindestens über Nacht ruhen lassen - wenn ihr die Zeit habt gerne auch einige Tage. Diese Zeit braucht die Pottasche um ihre Wirkung zu entfalten.
  5. Ofen vorheizen auf 200°C Oberunterhitze. Den Teig auf einer bemehlten Oberfläche auf 3-5 mm Dicke ausrollen. In Stücke* schneiden und auf ein gut gefettetes oder mit Backpapier belegtes Blech legen.
  6. Im vorgeheizten Ofen auf der mittleren Schiene 10-12 min backen. Die Printen sind dann noch etwas weich, sie werden aber beim Abkühlen fester und sollten dann wirklich hart sein, sonst halten sie sich nicht.
  7. Die abgekühlten Printen in eine luftdichte Dose schlichten und mindestens drei/vier Wochen lang ruhen lassen. Damit sie noch schneller weich werden könnt ihr einen Apfelschnitz mit in die Dose legen, den solltet ihr natürlich regelmäßig austauschen, damit nichts schimmelt. Nach ca. vier Wochen sind die Printen pfefferkuchentypisch weich und die Gewürze haben schön durchgezogen.
  8. Jetzt könnt ihr sie verzieren. Dazu die Schokolade schmelzen. Jede Printe teilweise in die Schokolade tauchen und auf Backpapier legen, nach Belieben mit Kandis bestreuen und die Schokolade fest werden lassen.
http://herbs-and-chocolate.de/2015/01/printen-mit-hindernissen-und-happy-end.html

 

*) Traditionell in Rechtecke, aber ich habe, wie man sieht, Rauten geschnitten. Die waren dieses Jahr irgendwie die Plätzchenform der Foodblogger (z.B. Lebkuchenschnitten bei grain de sel, Gewürzschnitten bei Lunch For One, Baumnuss-Orangen-Zimt-Leckerli bei lamiacucina, Florentiner bei transglobal pan party) und auch ich habe mich in diesen “Trend” eingereiht. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass für mich schon längst feststand: Wenn ich Printen backe, dann nicht in schnöder rechteckiger Form, sondern rautenförmig. Weil ist ja kreativ und mal was anderes und so…

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Auch lecker:

6 Kommenare zu “Printen mit Hindernissen und Happy End

  1. Haha, ich glaube so ging es uns allen schon ein mal, oder auf öfters;) Auch beim Kochen fehlen mir so oft irgendwelche Gewürze, trotz vorheriger Einkaufsliste;)
    Liebe Grüsse,
    Krisi

    1. Sehr beruhigend ;) Wobei es schon sehr doof ist, wenn das bei einem Rezept passiert, das eigentlich nur aus Gewürzen und Füllmasse besteht…
      Liebe Grüße,
      Carla

    1. Danke :) Das Photographieren war etwas anspruchsvoll, weil zu dem Zeitpunkt nur noch genau drei Printen übrig waren ;) Das kommt davon, wenn man sich so spät dazu entschließt etwas zu verbloggen…
      Mach's dir hier gern gemütlich, nimm dir ein Stück Kuchen und einen Tee :)
      Liebe Grüße,
      Carla

  2. Du hast wirklich etwas super tolles gezaubert. Ich bin total die Naschkatze vor allem in der Winterzeit & da eignet sich dein tolles Rezept total gut für mich. Werde es demnächst auf jeden Fall mal ausprobieren & berichten wie es geschmeckt hat :) Dein Blog ist wirklich toll & deine Bilder gefallen mir auch super gut :)

    Liebe Grüße ;)
    http://measlychocolate.blogspot.de

    1. Lieben Dank! :) Ich nasche im Winter auch deutlich mehr – im Sommer steigt dafür mein Obstkonsum noch einmal deutlich an. Viel Spaß beim Nachbacken, ich freu mich auf deinen Bericht!
      Liebe Grüße,
      Carla

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