Quarkstollen mit Hermann – ein teigiger Kettenbrief

04Dec/14

Als der gefühlt letzte deutschsprachige Foodblog läute ich heute die Weihnachtssaison ein. Während anderorts schon längst Plätzchen gebacken wurden, war ich wegen der Feier letztes Wochenende noch mit Torte backen, um- und aufräumen beschäftigt. Gestern wurde aber endlich die Wohnung dekoriert und das erste weihnachtliche Gebäck in den Ofen geschoben: Quarkstollen mit Weizensauerteig.

Nachdem ich beim letzten Brotbacken ausversehen meinen gesamten selbst angesetzten und liebevoll gehegten Roggen-Sauerteig verbacken habe, will ich schon seit Wochen neuen ansetzen. Dazu bin ich zwar immer noch nicht gekommen, aber dafür wurde mir ein Sauerteig frei Haus geliefert – ein süßer Weizenmehl-Sauerteig mit dem sympatischen Namen Hermann. Er wird einige Tage gefüttert mit Mehl, Milch und Zucker und schließlich in vier Teile geteilt. Mit einem davon bäckt man und die anderen drei kann man weiter verschenken.

Ich kannte den Teig bisher nur aus Erzählungen meiner Mutter (die Zeit, als Hermann super hip war ist wohl schon ein paar Jahre her), aber Tina von lecker & co veranstaltet momentan eine Hermann-Aktion. So kam auch zu mir ein Hermann-Kind (Danke dafür an Stefan von Der König kocht!), wurde in eine gemütliche Plastikschüssel einquartiert und bekam den Sauerteig-erprobten Platz auf dem Kühlschrank zugewiesen. Er war sehr wohlerzogen und scheinbar zufrieden mit meiner Pflege, sodass ich nach einigen Tagen seine Kinder an Christine von barsista.de und zwei nicht-foodbloggende Freundinnen von mir geben konnte. Ich habe mich streng an die Anleitung gehalten:

Tag 1: Heute zieht Herrmann bei dir ein. Gib ihm 250 g Zucker und rühre leicht um.
Tag 2: Herrmann hat Durst, gib ihm 230 ml gekochte und abgekühlte Milch – nicht umrühren, schlucken kann er alleine.
Tag 3: Heute hat Herrmann richtig Hunger. Gib ihm 250 g Mehl – nicht umrühren.
Tag 4: Heute braucht Herrmann etwas Zuwendung, rühre ihn kräftig um.
Tag 5: Der vorletzte Tag für Herrmann bei dir zu Hause, gib ihm 250 g Zucker (wer möchte auch nur 150 g, diese Variante habe ich gemacht), 250 ml Milch und 250 g Mehl. Rühre alles unter und teile Herrmann in 4 Teile. Seine 3 Kinder verschenke weiter.
Tag 6: Heute wird gebacken!

Bei Tina seht ihr auch die ganzen wunderbaren Varianten, in denen der Hermann-Teig bisher verbacken wurde. Mein erster Impuls wäre ein Nusskuchen gewesen, aber der war schon vertreten. Also bin ich auf etwas ausgewichen, was ich ohnehin bald wieder backen wollte: Stollen. Das Rezept habe ich an unserem Quarkstollen-Familienrezept orientiert und tatsächlich kam ein wunderbar saftiger Stollen dabei heraus. Ok, eigentlich drei, ich wollte nämlich lieber mehrere kleinere Exemplare um gegebenenfalls ein oder zwei verschenken zu können.

Stollen sollte nach dem Backen eigentlich erst mal ein paar Tage durchziehen – aber ich kann natürlich kein Gebäck bloggen, von dem ich noch nicht probiert habe ;) Außerdem wollte ich ihn euch ja auch angeschnitten zeigen, also habe ich ein bisschen genascht und ihn danach wieder gut eingepackt. Ich kann guten Gewissens sagen, dass er jetzt schon extrem lecker schmeckt! Auch wenn ihn ein paar Tage Durchziehen sicher noch eine Ecke besser machen.

 

 

Eine kleine Anmerkung zum Stollen formen: Es gibt verschiedenste Varianten wie man ihn einrollen oder überschlagen kann um eine stollentypische Form zu bekommen. Stollen-Backformen klammere ich jetzt mal aus, die finde ich unsportlich… Meine Variante funktioniert für mich ganz ordentlich, ob sie die “originale” ist weiß ich allerdings nicht und ob sie euren Ansprüchen an Stollen-Ästhetik genügt sowieso nicht. Wie auch immer ihr den Teig formt, wichtig ist auf jeden Fall, dass ihr den Ofen vorheizt. Dann wird der Stollen schnell außen leicht fest und zerfließt in der Hitze des Ofens nicht zu einem platten Fladen.

 

Hermann-Quarkstollen

Ein klassischer Quarkstollen mit Rosinen, Orangeat, Zitronat und Mandeln auf Basis eines Hermann-Teigs.

Hermann-Quarkstollen

Zutaten

für 1 sehr großen oder 2-3 normalgroße Stollen

  • 1 Hermann-Kind (ca. 350 g)
  • 125 g Rosinen
  • 100 g Orangeat
  • 100 g Zitronat
  • 30 g gehackte Mandeln
  • 5 EL Rum
  • 80 g Butter
  • 50-100 g Zucker (je nach gewünschter Süße, bei mir 50 g)
  • 250 g Mehl
  • 70 g gem. Mandeln
  • 130 g Quark
  • 1 Pck. Backpulver
  • 1 Pck. Vanillezucker
  • 1/2 Fläschchen Zitronenöl
  • Prise Salz
  • ca. 50 g Butter zum Bestreichen
  • reichlich Puderzucker zum Bestreuen

Zubereitung

  1. Rosinen, Orangeat, Zitronat und gehackte Mandeln mit dem Rum übergießen und mindestens einige Stunden ziehen lassen, dabei immer wieder umrühren.
  2. Ofen auf 210 °C Oberunterhitze vorheizen.
  3. Butter schmelzen, Zucker unterrühren, dann Mehl, gemahlene Mandeln, Backpulver, Vanillinzucker, Zitronenöl und Salz unterkneten, bis ein geschmeidiger Teig entsteht. Dabei könnt ihr mit einem Handrührgerät mit Knethacken arbeiten, aber am besten geht es mit den bloßen Händen. Zuletzt das in Rum eingelegte Trockenobst und die Mandeln unterkneten.
  4. Den Teig entweder in drei Teile teilen oder alles zu einem großen Stollen formen. Dazu jedes Teigstück zum Rechteck ausziehen. Parallel zur langen Seite ein Drittel des Teiges in die Mitte klappen und den Teil des Teigs, der jetzt noch nicht doppelt gelegt ist, nochmal darüber klappen. Ihr teilt das Rechteck in eurer Vorstellung also parallel zur Längsseite in drei gleichgroße Teile und klappt die beiden äußeren nacheinander über das mittlere Drittel. Danach noch ein bisschen an den Kanten herum drücken bis er schön aussieht.
  5. In den vorgeheizten Ofen schiefen, die Temperatur sofort auf ca. 180 °C
  6. herunter drehen und die kleinen Stollen ca. 35-45 min (einen einzigen großen ca. 60-70 min) backen. Zwischendurch nachsehen ob er oben zu dunkel wird, falls ja mit Alufolie abdecken. Wenn man von unten mit dem Finger gegen den Stollen klopft und es sich hohl anhört, dann ist er durch.
  7. Den Stollen etwas abkühlen lassen und noch lauwarm mit reichlich Butter bepinseln und dick mit Puderzucker bestreuen.
  8. In Frischhaltefolie wickeln und vor dem Essen zumindest einige Tage lagern.
http://herbs-and-chocolate.de/2014/12/quarkstollen-mit-hermann-ein-teigiger.html

 

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10 Kommenare zu “Quarkstollen mit Hermann – ein teigiger Kettenbrief

  1. Wow, der sieht wirklich toll aus! Ich hab noch nie Stollen gebacken, aber ich hoffe, dass ich es diese Saison noch schaffe, veganen Kürbisstollen zu backen.
    Dein Gewürzpäckchen kam heute bei mir an, vielen, vielen Dank, ich hab mich so gefreut! :-)

    Liebe Grüße
    Melissa

    P.S.: Ich hab doch einen "Verbesserungsvorschlag". ;-) Kannst du vielleicht den Captcha-Code abschalten? Das ist supernervig und der Spamfilter von Blogger funktioniert wirklich zuverlässig!

    1. Noch nie Stollen gebacken? Das solltest du wirklich ändern ;) Kürbisstollen klingt sehr spannend, der wird sicherlich toll saftig und hübsch orange :)

      Freut mich sehr, dass ich dir mit dem Adventskalender eine Freude machen konnte :)

      Vielen Dank für den Hinweis mit dem Captcha! Ich war felsenfest der Meinung ich hätte das schonmal ausgeschaltet… Jetzt sollte es auf jeden Fall wirklich weg sein. (Mich nerven die Dinger auch immer, aber auf dem eigenen Blog bekommt man sie ja nicht angezeigt…)

      Liebe Grüße,
      Carla

  2. Liebe Carla,
    dein Stollen sieht sehr lecker aus!!! Mit Quark habe ich noch nie einen gegessen. Der ist mit Sicherheit um einiges leichter als die anderen. Ich freue mich schon wieder Stollen zu essen, denn deiner macht richtig Lust drauf:-)
    Viele liebe Grüße
    Sia

    1. Vielen Dank! :) Ich bin ein großer Quarkstollen-Fan, eben weil der so schön saftig wird ohne dass mein einen ganzen Stein Butter darin versenken muss ;) Das einzige, was ich bei Stollen gemein finde, ist das tagelange Warten bis er so *richtig* gut ist – ich nasche immer schon vorher…
      Liebe Grüße,
      Carla

  3. Liebe Carla,

    wow – was für eine grandiose Idee aus Herrmann einen Stollen zu backen! Das muss ich doch glatt auch noch probieren, denn Stollen habe ich dieses Jahr noch gar nicht gemacht. Vielen Dank, für dieses tolle Rezept,

    alle Liebe, Tina

    1. Freut mich, dass dir die Idee gefällt! :) Bei all den tollen anderen Rezepten, die schon gebacken wurden, musste ich mir ja richtig was einfallen lassen ;)
      Liebe Grüße,
      Carla

  4. ich liebe stollen, aber auch ich habe bisher immer eher auf die Back- und Stollenkünste meiner Mama vertraut, he he… aber wer weiß, vielleicht drehe ich den Spieß dieses jahr doch mal um und backe ihr einen ;-) Der von dir scheint mir als Einsteigerstollen optimal – btw, ich habe auch gerade die ersten Plätzchen in den Ofen geschoben ;) Du bist also nicht der letzte Weihnachtsmuffel :P

    Liebe Grüße,
    Alina

    1. Der Quarkstollen letztes Jahr (ohne Hermann-Teig, ist oben verlinkt) war auch mein Einsteigerstollen und geschmacklich wirklich super :) Die Form gefällt mir dieses Jahr etwas besser, aber die ist ja zweitrangig ;)
      Plätzchen sind bei mir erst Sonntag dran – allerdings habe gerade schon Printenteig vorbereitet. Weihnachtsmuffel bin ich aber dieses Jahr wirklich nicht, nur Zeitmangel hat meinen Back- und Dekodrang gedämpft ;) Was für Plätzchen gibt's denn bei dir?
      Liebe Grüße,
      Carla

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